Konto kündigen: Tipps & Muster Vorlagen

Infos zum Konto kündigen
Ein Konto können Sie jederzeit kündigen.

Heutzutage geht es praktisch nicht mehr ohne Girokonto. Deshalb hat in Deutschland seit Juni 2016 jeder Verbraucher sogar einen gesetzlichen Anspruch darauf, dass ihm die Bank zumindest ein Konto mit Basisfunktionen einrichtet. Doch dass jeder ein Konto hat, heißt noch lange nicht, dass jeder mit seinem Konto auch zufrieden ist. Teils hohe Gebühren für die Kontoführung, kaum Geldautomaten in der Nähe oder kein besonders guter Kundenservice sind häufige Kritikpunkte. Wenn es aber darum geht, das bestehende Konto aufzulösen und zu einer anderen Bank zu wechseln, sind viele zögerlich. Dabei ist ein Kontowechsel gar nicht so kompliziert. Wir erklären, wie Sie am besten vorgehen, wenn Sie Ihr jetziges Konto kündigen möchten.

Grundsätzlich wären viele Bankkunden bereit, ihr altes Konto zu kündigen und die Bank zu wechseln. Oft bleibt es aber bei den Plänen. Dass der letzte Schritt doch nicht erfolgt, kann verschiedene Gründe haben.

So ist es mal die Sorge, dass ein Kontowechsel mit viel Aufwand und noch mehr Papierkram verbunden ist. Einige Verbraucher sind unsicher, wie sie überhaupt vorgehen müssen. Andere haben Zweifel, wie gut sie beim neuen Anbieter zurechtkommen und bleiben deshalb lieber ihrer bekannten und bewährten Hausbank treu.

Dabei ist es durchaus möglich, durch einen Wechsel viel Geld zu sparen. Denn durch die Grundgebühren, die Kosten für Giro- und Kreditkarten, die Gebühren für Buchungen und die Kosten für die Nutzung von fremden Geldautomaten kann schnell ein stolzer Betrag zusammenkommen.

Zugegebenen: Ein bisschen Arbeit macht es schon, wenn Sie ihr jetziges Konto kündigen. Aber der Aufwand ist längst nicht so groß, wie oft befürchtet. Zumal Ihnen sowohl die alte als auch die neue Bank beim Konto-Umzug helfen müssen. Und damit auch wirklich nichts schief geht, haben wir die wichtigsten Infos und Tipps zusammengestellt.

1. Schritt: Das passende Girokonto auswählen

Bevor Sie sich auf die Suche nach einem Konto machen, sollten Sie erst einmal für sich überlegen, was Ihnen wichtig ist. Denn die Auswahl an Girokonten ist riesig und so ziemlich jede Bank hat mehrere Modelle im Angebot. Wenn Sie ins Blaue hinein suchen, kann der Überblick schnell verloren gehen.

Legen Sie zum Beispiel Wert auf einen persönlichen Ansprechpartner vor Ort, ist eine Bank mit Filialnetz eine gute Wahl. Erledigen Sie Ihre Bankgeschäfte hingegen größtenteils online oder per Telefon, können Sie zu einer Direktbank wechseln. Direktbanken bieten oft kostengünstigere Konditionen als Filialbanken.

Wohnen Sie recht ländlich, spielt eine Rolle, ob und wie viele Geldautomaten es in Ihrer Nähe gibt, an denen Sie kostenfrei Geld abheben können. Verreisen Sie oft, dürfte die Versorgung mit Bargeld im Ausland ein interessanter Punkt für Sie sein.

Aber natürlich sind auch die Preise von Bedeutung. Und hier sollten Sie das berühmte Kleingedruckte im Blick haben. Denn es kann gut sein, dass etwa ein vermeintlich kostenloses Konto nur dann kostenfrei ist, wenn jeden Monat ein gewisser Mindestbetrag eingeht. Genauso ist möglich, dass zwar die Kontoführung nichts kostet, aber für Buchungen, Bankkarten, Kontoauszüge auf Papier und andere Leistungen Gebühren berechnet werden.

Haben Sie sich Gedanken gemacht, welche Ansprüche Sie an Ihr neues Konto haben, können Sie die Suche starten. Am besten greifen Sie dabei auf Vergleichsportale zurück. Hier werden in Übersichten die Konten von verschiedenen Anbietern aufgelistet und gegenübergestellt. So müssen Sie nicht jede Bank einzeln aufrufen.

Allerdings sollten Sie immer mindestens zwei verschiedene Vergleichsportale nutzen. Denn die Portale führen teils unterschiedliche Anbieter auf und nicht immer sind alle Banken vertreten.

Checkliste: Die wichtigsten Kriterien beim Girokonto

Sind ein, zwei Konten in der näheren Auswahl, sollten Sie die Vertragsbedingungen für das jeweilige Kontomodell noch einmal genau unter die Lupe nehmen. So vermeiden Sie im Nachhinein böse Überraschungen. Neben Ihren individuellen Anforderungen spielen dabei vor allem diese Punkte eine Rolle:

  • Welche Kosten fallen für die Kontoführung an?
  • Welche Karten gehören zum Konto und wie teuer sind sie?
  • Ist das Konto an bestimmte Bedingungen gebunden (z.B. Mindestgeldeingang)?
  • Wie sieht es mit dem Geldautomaten-Netz aus?
  • Welcher Zinssatz gilt für Überziehungen und einen Dispokredit?
  • Wie können Sie Bankgeschäfte erledigen (nur online, per Telefon, vor Ort)?
  • Welches TAN-Verfahren kommt beim Online-Banking zum Einsatz und was brauchen Sie dafür?
Tipp: Fragen Sie ruhig auch bei Ihrer alten Bank nach, ob sie Ihnen nicht ein besseres Angebot machen kann. Vielleicht gibt es ja ein interessanteres Kontomodell. Dann könnten Sie bei Ihrem bisherigen Anbieter bleiben.

2. Schritt: Das neue Konto einrichten

Haben Sie sich für einen Anbieter entschieden, können Sie Ihr neues Konto eröffnen. Auf der Webseite der jeweiligen Bank ist das meist schnell erledigt. Sie müssen nämlich nur das Antragsformular ausfüllen, ausdrucken und unterschreiben.

Haben Sie sich für eine Filialbank entschieden, können Sie den Antrag persönlich dort abgeben. Einer Direktbank schicken Sie das Formular zu. Um Ihre Identität nachzuweisen, führen Sie in der Postfiliale das sogenannte Postident-Verfahren durch. Dabei zeigen Sie dem Postmitarbeiter Ihren Ausweis und er überprüft und bestätigt die Daten. Bei einigen Banken können Sie sich alternativ auch über eine Videoverbindung identifizieren.

Liegt Ihr Antrag vor, holt die Bank eine Schufa-Auskunft ein und eröffnet anschließend das Girokonto. Sie bekommen dann in den nächsten Tagen mehrere Briefe mit den Kontodaten, den Bankkarten, den PINs und den Zugangsdaten fürs Online-Banking. Die Unterlagen werden einzeln verschickt, damit niemand die gesamten Daten abfangen und Unfug treiben kann.

Für den weiteren Verlauf gibt es dann zwei Möglichkeiten. So können Sie entweder die Wechselhilfe der Bank nutzen oder den Konto-Umzug in Eigenregie durchführen.

Umzugsservice der Bank nutzen

Die meisten Banken bieten schon seit langem Unterstützung beim Kontowechsel an. Seit September 2016 sind sie durch das Zahlungskontengesetz sogar dazu verpflichtet.

Für den Wechselservice arbeiten die Banken meist mit Finanzdienstleistern zusammen. Das jeweilige Unternehmen schaut sich dann an, welche Zahlungsein- und -ausgänge es auf ihrem alten Konto gab. Anschließend informiert es Ihre Zahlungspartner über die neue Bankverbindung.

Außerdem überträgt Ihre bisherige Bank die Kontobewegungen der vergangenen 13 Monate an die neue Bank. Diese richtet dann die entsprechenden Daueraufträge ein. Zum vereinbarten Zeitpunkt wird das alte Konto automatisch geschlossen.

Doch auch wenn Sie die Kontowechsel-Hilfe nicht in Anspruch nehmen wollen, bekommen Sie Unterstützung von den Banken. So gibt es zum Beispiel verschiedene Formulare rund um den Kontowechsel. Diese können Sie nutzen, um neue Daueraufträge einzurichten oder Ihren Zahlungspartnern die neue Bankverbindung für Lastschriften und Überweisungen mitzuteilen.

Den Kontowechsel selbst durchführen

Selbstverständlich können Sie den Umzug Ihres Kontos auch alleine managen. Sie sind nicht dazu verpflichtet, auf den Service der Banken zurückzugreifen.

Sehr wichtig sind dann die Kontoauszüge der vergangenen Monate. Damit können Sie sich einen Überblick darüber verschaffen, welche Buchungsposten regelmäßig anfallen und wen Sie folglich über das neue Konto informieren müssen.

Ist das neue Konto einsatzbereit, sollten Sie die bestehenden Daueraufträge auf dem alten Konto löschen und auf dem neuen Konto frisch einrichten. Außerdem sollten Sie den Zahlungspartnern, die regelmäßig Geld auf Ihr Girokonto überweisen oder per Lastschrift abbuchen, Bescheid geben. Bei vielen Unternehmen können Sie das per E-Mail oder ein Online-Formular erledigen. Zu den typischen Zahlungspartnern gehören üblicherweise folgende:

  • Arbeitgeber
  • Vermieter
  • Energieversorger (Strom, Gas, Wasser)
  • Telekommunikationsanbieter (Festnetz und Internet, Mobilfunk, Fernsehen)
  • Versicherungen
  • Abos und Mitgliedschaften
  • Sparkonten
  • Zoll (für die Kfz-Steuer)
Übrigens: Sie können den Kontowechsel nutzen, um bei der Gelegenheit Ihre Verträge zu überprüfen. Vielleicht haben Sie ja Abos, Mitgliedschaften, Versicherungen und ähnliche Dinge, die Sie eigentlich gar nicht brauchen oder nutzen. Diese können Sie dann auch gleich kündigen.

3. Schritt: Das alte Konto kündigen

Für eine Übergangszeit von etwa drei Monaten sollten Sie das neue und das alte Konto parallel laufen lassen. Außerdem sollte auf dem alten Girokonto ein kleines Guthaben stehen bleiben. Selbst wenn inzwischen alle Buchungen über das neue Konto abgewickelt werden, kann es nämlich passieren, dass Sie die eine oder andere Abbuchung doch vergessen hatten. Diese kann dann trotzdem ausgeführt werden, ohne dass Sie Rücklastschriften, Zahlungserinnerungen oder Extrakosten fürchten müssen.

Nach der Übergangszeit können Sie das alte Konto kündigen. Die Kündigung des Girokontos muss schriftlich erfolgen, ein formloses Schreiben reicht dafür aber aus. Darin erklären Sie, dass und wann das Girokonto aufgelöst werden soll. Eine Angabe von Gründen ist nicht erforderlich.

Dabei können Sie Ihr Konto jederzeit kündigen. Eine Kündigungsfrist müssen Sie nur dann einhalten, wenn das in den Vertragsbedingungen ausdrücklich so vereinbart war. Länger als ein Monat darf die Kündigungsfrist aber auf keinen Fall sein. Ist eine längere Kündigungsfrist vorgesehen, ist die Klausel nicht wirksam.

Dafür, dass Sie Ihr Girokonto kündigen, darf die bisherige, kontoführende Bank keine Gebühren von Ihnen verlangen. Und auch ein eventuelles Restguthaben muss sie kostenlos auf das neue Konto überweisen. Ist das alte Konto ins Minus gerutscht oder wurden Kontoführungsgebühren berechnet, müssen Sie die offenen Posten bei der Endabrechnung aber natürlich ausgleichen.

Übrigens: Nicht nur Sie, sondern auch die Bank kann ein Konto kündigen. Allerdings passiert das eigentlich nur dann, wenn sich der Kunde vertragswidrig verhält. Kündigt die Bank, muss sie zwar keine Gründe angeben. Aber sie muss Ihnen mindestens zwei Monate Zeit lassen, um sich ein neues Konto zu suchen.

Musterbrief: das Konto kündigen

Natürlich haben wir auch eine Vorlage für Sie vorbereitet, mit der Sie Ihr altes Konto kündigen können.

Ihr Name
Anschrift

Bisherige Bank
Anschrift

Datum

Kündigung meines Girokontos
Kontonummer: _________________________
IBAN: _________________________

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit kündige ich das bei Ihnen geführte, oben genannte Girokonto zum nächstmöglichen Termin.

Bitte übertragen Sie ein noch vorhandenes Guthaben auf folgendes Konto:

Kontoinhaber: _________________________
IBAN: _________________________
BIC: _________________________
Name der Bank: _________________________

Sollten Rechnungsposten offen sein und das Guthaben für deren Begleichung nicht ausreichen, ermächtige ich Sie, die Differenz vom benannten Konto abzubuchen.

Bitte bestätigen Sie meine Kündigung schriftlich. Vielen Dank.

Zum Konto gehörige Karten werde ich nach der Auflösung des Girokontos unaufgefordert zurückgeben.

Mit freundlichen Grüßen,
Unterschrift

Ein letzter Tipp zum Schluss

Weil es beim Girokonto keine oder nur sehr kurze Kündigungsfristen gibt, wird Ihre Kündigung in aller Regel zeitnah wirksam. Sie haben dann aber keinen Zugriff mehr auf das Konto und die Daten.

Wenn Sie Ihr Konto kündigen, sollten Sie deshalb die Kontoauszüge rechtzeitig abrufen und speichern oder ausdrucken. Brauchen Sie die Daten später, kann Ihre alte Bank die Dokumente zwar erstellen. Allerdings werden dafür mitunter satte Gebühren fällig.

Und: Bewahren Sie das Schreiben, in dem die Bank die Kündigung bestätigt und die Endabrechnung aufführt, sorgfältig auf. Denn es kommt immer wieder vor, dass dubiose Inkassounternehmen oder Anwälte Jahre später irgendwelche Gebühren samt Zinsen einfordern, die angeblich seit der Kontoauflösung noch offen sind. Durch das Schreiben können Sie solche Behauptungen entkräften.