Fabel schreiben: Infos & Tipps

Aktualisiert am 23. Oktober 2020 von Ömer Bekar

Anleitung Fabel schreiben
Wenn Sie eine Fabel schreiben, bauen Sie die Geschichte um einen Lehrsatz herum.

Bei einer Fabel handelt es sich um eine Phantasiegeschichte, die oft eher kurz ausfällt. Häufig spielen Tiere die Hauptrolle. Aber auch Pflanzen, Gegenstände oder Personen können im Mittelpunkt der Geschichte stehen. Damit ähnelt die Fabel dem Märchen. Doch ein entscheidender Unterschied ist, dass die Fabel nicht unbedingt nur der Unterhaltung dient. Stattdessen will sie eine Botschaft, eine Lehre oder eine Moral vermitteln. In diesem Beitrag lesen Sie, worauf es beim Schreiben einer Fabel ankommt.

Die Fabel gehört zu den sehr alten Textformen. Die ersten Fabeln entstanden schon in der Mitte des 3. Jahrhunderts v. Christus. Seinerzeit eröffnete sich den Autoren durch die Geschichten die Möglichkeit, die Regierenden und die Herrschaften zu kritisieren, ohne die Kritik offen und direkt auszusprechen.

Ihre große Blütezeit hatte die Fabel dann im Mittelalter. Auch hier wurden die phantasievollen Erzählungen zu einem beliebten Mittel, um seinem Ärger und Unmut Luft zu machen und Kritik zu üben.

Zu einer Literaturform wurde die Fabel, als sich im 18. Jahrhundert Gotthold Ephraim Lessing der Textgattung annahm. Dies führte auch dazu, dass Fabeln ihren Weg in den Unterricht fanden. In der Schule sollten die Lehren und Moralvorstellungen aus den Geschichten dazu beitragen, die Kinder zu erziehen. Oft waren die Texte deshalb mit einem leicht erhobenen Zeigefinger verfasst.

Wahrscheinlich war dieser erzieherische Charakter ein Grund dafür, dass Fabeln später nicht mehr zum Zeitgeist passten und zunehmend von der Bildfläche verschwanden. Erst im 20. Jahrhundert erweckten große Schriftsteller wie Bertolt Brecht und Franz Kafka die Textsorte wieder zum Leben.

Wir haben eine Art Anleitung erstellt und erklären Ihnen die wesentlichen Merkmale und den Aufbau einer Fabel. So wissen Sie Bescheid, falls Sie selbst einmal eine eigene Fabel schreiben möchten oder das Thema in einer der nächsten Klassenarbeiten ansteht.

Die zentrale Botschaft einer Fabel

Eine Fabel ist eine Erzählung aus der Phantasie heraus. Bestimmte Vorgaben für den Inhalt der Geschichte gibt es deshalb nicht. Stattdessen können Sie ruhig kreativ werden.

Damit Ihre Erzählung aber keine reine Phantasiegeschichte bleibt, sondern zu einer Fabel wird, brauchen Sie einen Lehrsatz. Denn die Botschaft, die Lehre oder eine Moral ist das Merkmal, das eine Fabel ausmacht und von anderen Textgattungen unterscheidet.

Bevor Sie damit beginnen, Ihre Fabel zu schreiben, sollten Sie sich also zuerst einmal überlegen, was die zentrale Aussage sein soll. Was wollen Sie dem Leser mit auf den Weg geben? Was soll er aus Ihrer Erzählung lernen? Ihre Geschichte bauen Sie dann um diese Kernaussage herum auf.

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Dabei kann die Botschaft Ihrer Fabel Kritik an Sachverhalten üben, auf Fehler hinweisen oder zu einem bestimmten Verhalten auffordern. Auch Themen wie Tapferkeit, Ehrlichkeit oder Zivilcourage eignen sich gut für eine Fabel. Daneben liefern Sprichwörter und Redewendungen nützliche Tipps. So können Sie zum Beispiel eine Weisheit auswählen wie:

  • Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, selbst wenn er dann die Wahrheit spricht.
  • Hochmut kommt vor dem Fall.
  • Wer zuletzt lacht, lacht am besten.
  • Jeder ist seines Glückes Schmied.
  • Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.
  • Steter Tropfen höhlt den Stein.
  • Wo kein Kläger, da kein Richter.

Das Sprichwort bleibt dann am Ende als Moral der Geschichte stehen, die Sie in Ihrer Fabel erzählen.

Die Figuren in der Fabel

Steht die Kernaussage Ihrer Fabel fest, können Sie sich eine Geschichte ausdenken, in die Sie Ihre Botschaft übertragen. In diesem Zuge können Sie dann auch entscheiden, welche Figuren Ihre Botschaft am besten verkörpern.

Ihre Erzählung kann von Pflanzen, Menschen oder einem besonderen Ort handeln. Meistens geht es in einer Fabel aber um Tiere. Und typisch ist, dass es zwei Tiere gibt, die zusammen etwas erleben oder einen Wettbewerb austragen. Jedes Tier hat dann einen speziellen Charakterzug, der es prägt. Außerdem werden für klassische Fabeltiere oft eigene Namen verwendet.

In der folgenden Tabelle haben wir ein paar traditionelle Fabeltiere samt Eigenschaften für Sie aufgelistet:

Fabeltier

Name in der Fabel typische Eigenschaften

Bär

Meister Petz gutmütig, einfältig

Dachs

Grimbart

ruhig, nachdenklich

Esel Langohr

störrisch, faul

Fuchs Reinecke

listig, schlau

Gans

geschätzig

Hahn

stolz, eitel

Hase

Meister Lampe

ängstlich, vorlaut

Igel

schlau

Hund

friedlich, treu

Kater

eigensinnig

Lamm

friedlich, schwach

Löwe

Leo stolz, mächtig, gewalttätig
Storch Adebar

gelehrt, hochmütig

Wolf Isegrim

gierig, rücksichtslos

Ziege

leichtgläubig, unzufrieden

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Bei der Auswahl Ihrer Figuren sind zwei Dinge wichtig. Zum einen sollten die Figuren Ihre beabsichtigte Aussage klar widerspiegeln. Allerdings müssen Sie die entscheidende Eigenschaft nicht ausdrücklich benennen, sondern können sie durch die Geschichte aufzeigen. Geht es zum Beispiel um Tapferkeit, können Sie eine bedrohliche Kulisse erschaffen und die Folgen skizzieren, wenn sich niemand dem bösen und tyrannischen Wolf in den Weg stellt.

Der andere Punkt ist, dass die Fabelfiguren Vertreter des Menschen sind. Sie verhalten sich wie Menschen und sprechen wie sie. Deshalb sollten im Auftreten und Benehmen Ihrer Fabelfiguren menschliche Eigenschaften erkennbar werden. Denn wenn Ihre Geschichte zu abstrakt oder unrealistisch wirkt, findet sich der Leser darin nicht wieder. Damit wäre der Sinn der Fabel, eine Botschaft zu transportieren, verfehlt.

Der Aufbau einer Fabel

Wie viele andere Aufsätze und Texte gliedert sich auch die Fabel in drei Abschnitte, nämlich die Einleitung, den Mittelteil und den Schluss. Dazu kann noch der Lehrsatz kommen.

Insgesamt bleibt eine Fabel aber recht kurz. Es geht nicht darum, dass Sie ausführlich eine lange Geschichte erzählen. Wenn Sie eine Fabel schreiben, besteht Ihr Ziel vielmehr darin, eine Botschaft oder Aussage in Bilder zu verpacken und auf den Punkt gebracht zu vermitteln. Deshalb ist es oft so, dass die ganze Erzählung nur aus ein paar Sätzen besteht.

Die Einleitung

Mit der Einleitung führen Sie den Leser in die Situation ein. Dabei belassen Sie es bei einer knappen und präzisen Schilderung. Sie beschränken sich auf die Informationen, die der Leser für das Verständnis der Geschichte braucht. Einzelheiten lassen Sie genauso weg wie jegliche Ausschmückungen.

In der Einleitung beschreiben Sie also in kurzen Worten, was passiert, wo die Situation stattfindet und wer daran beteiligt ist. Oft reichen dafür ein, zwei Sätze aus.

Der Mittelteil

Im Mittelteil erzählen Sie die eigentliche Geschichte. Auch hier fassen Sie sich wieder recht kurz und beschränken sich auf das Wesentliche. Nebensächlichkeiten und kleine Details nennen Sie nicht.

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Bei vielen Fabeln enthält der Mittelteil Gespräche zwischen den Hauptfiguren, durch die ihre gegensätzlichen Merkmale, Eigenschaften oder Ansichten zum Vorschein kommen. Sie können aber auch mit Monologen oder indirekter Rede arbeiten. Oder Sie schreiben den Mittelteil Ihrer Fabel als reine Erzählung.

Achten Sie darauf, dass die Gegensätze zwischen Ihren Figuren, die sich aus deren Charakter, Verhalten oder Meinungen ergeben, deutlich werden. Außerdem sollte der Leser sich selbst oder andere Personen in den Fabelfiguren wiedererkennen. Denn das sind die Voraussetzungen dafür, dass am Ende eine Lehre aus Ihrer Geschichte gezogen werden kann.

Der Schlussteil

Zum Schluss lösen Sie die Situation auf. Dazu beschreiben Sie, wie Ihre Hauptfiguren reagieren. Ähnlich wie die Einleitung besteht auch der Schlussteil in vielen Fabeln nur aus einem oder zwei Sätzen.

Der Lehrsatz

Schreiben Sie Ihre Fabel im klassischen Stil, formulieren Sie einen Lehrsatz. Er fasst die Lehre oder die Moral der Geschichte noch einmal in einem Satz und auf den Punkt gebracht zusammen.

Setzen Sie den Lehrsatz als letzten, abschließenden Satz unter die Fabel, handelt es sich um ein sogenanntes Epimythion. Sie können den Lehrsatz Ihrer Fabel aber auch voranstellen. Das wäre dann ein Promythion. Pflicht ist ein Lehrsatz allerdings nicht. In modernen Fabeln wird er oft einfach weggelassen.

Die formalen Regeln beim Schreiben einer Fabel

Eine Fabel schreiben Sie grundsätzlich aus der Perspektive des Er-Erzählers. Sie schlüpfen also gewissermaßen in die Rolle eines Beobachters und schildern dem Leser die Geschehnisse.

Ob Sie ganz normal in Prosa erzählen, in Reimen formulieren oder in rhythmischen Versen berichten, bleibt Ihrem Geschmack überlassen. Wichtig ist nur, dass Sie auf den Punkt kommen und nicht von der eigentlichen Aussage Ihrer Geschichte abschweifen.

Als Zeitform ist bei der Fabel das Präteritum üblich. Das Präteritum wird auch Imperfekt oder auf deutsch erste Vergangenheitsform genannt. Er ging, sie saß oder es regnete sind Beispiele für diese Zeitform. Die Geschichte spielt somit weder in der Gegenwart noch in der Zukunft. Stattdessen erzählen Sie dem Leser über ein Ereignis, das schon passiert ist.